Uls Kolumne

Wir werden alle sterben (Na und?)

...aussterbene Motorradfahrer

Unter anderem ein Exkurs in die Abgründe der jugendlichen Seele

Ich kann es nicht mehr hören. Dieses Gejammer darüber, daß wir Motorradfahrer aussterben. Machen wir uns nichts vor. Die jungen Männer wollen nun mal nicht. Schon seit 20 Jahren ist kein nennenswerter Nachwuchs in Sicht und daran wird sich auch nichts mehr ändern.

Und jetzt mal eine ganz andere Frage: Wollen wir die Burschen denn überhaupt unter uns haben? Wie schlimm es um die Jugend steht, mußte ich gerade vor kurzem wieder feststellen, als wir eine Zweizylinder Triumph mit dreckslauten Tüten in der Werkstatt hatten. Kurz nachdem ich sie auf dem Hof angeworfen hatte, kam der 19jährige Lehrling vom benachbarten Laden rüber. Ich rief ihm über den Lärm etwas halb Entschuldigendes zu und er schaute mich überrascht an. "Klingt doch geil!" schrie er zurück. Ja weiß dieser Knabe denn nicht, daß es Menschen gibt, die am Wochenende gerne mal ungestört im Vorgarten sitzen möchten? Daß meine Kinder aufwachen, wenn ein Idiot mit offenen Tüten nachts durch die Straße ballert? Ich fürchte, daß er es nur zu gut weiß, aber daß es für ihn Wichtigeres gibt.

Und das sind genau zwei Dinge: Weiber und den Breiten machen. Danach kommt lange nichts auf seiner pubertären Prioritätenliste. Ein paar Motorradfahrer kennt er übrigens auch. Nette ältere Herren, die sich einmal im Monat in Schutzkleidung hüllen, um auf anständigen Motorrädern die ins Navi programmierte Tour abzufahren. Sie bestätigen ihm - gern auch ungefragt -, daß sie dabei selbstverständlich die Verkehrsregeln beachten und daß Motorradfahrer, bis auf wenige unverzeihliche Ausnahmen, nicht die Rowdies sind, für die er sie sowieso nicht gehalten hätte. Der junge Mann ahnt sofort, daß sich die interessanten Mädels mit dieser Nummer nicht wirklich beeindrucken lassen. Und damit hat sich die Sache für ihn eigentlich schon erledigt.

Falls er aber aus irgendeinem Grunde doch zu den wenigen Hartnäckigen zählen sollte, die unbedingt Motorrad fahren wollen, bleibt ihm keine Wahl. Er muß sich eins dieser übermotorisierten Renneisen kaufen, eine offene Tüte dranschrauben und sich wie ein lebensmüder Irrer aufführen. Begegnungen mit anderen Motorradfahrern werden ihm allerdings kaum Freude bereiten, denn wir alten Hasen erkennen auf den ersten Blick, wen wir da vor uns haben: Einen unreifen Spinner, der nichts besseres zu tun hat, als unseren Ruf zu versauen. Aber auch das interessiert ihn wenig, weil er eine hübsche Beifahrerin gefunden hat, die sich fest an ihn klammert, wenn er den Hahn aufreißt. Und die Platzhirsche in den tiefergelegten Kasperbuden zieht er alle locker ab. Mehr wird er die nächsten Jahre nicht brauchen, um glücklich zu sein.

Sagen wir es, wie es ist: Auf solche Typen können wir gut verzichten. Bereiten wir uns lieber auf einen Abgang in Würde vor. Kannst du dich erinnern? Damals, als wir angefangen haben, waren wir nicht viele. Jeder hat jeden gegrüßt und irgendwie war alles ziemlich verwegen und romantisch. Die eigentliche Nachricht ist also eine gute - nämlich die, daß es bald wieder so sein wird.

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